Freitag, Dezember 29, 2006

Die Versöhnungskirche wird nicht sterben

An das Presbyterium der Apostel-Kirchengemeinde
28. Dezember 2006

Die Versöhnungskirche wird nicht sterben

Der Verlautbarung zur Schließung der Versöhnungskirche wurde vorangestellt: 2.Tim. 1,7 „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Im griechischen Urtext finden wir die Worte „sofronismos“ bzw. „sofrosyne“, zu Deutsch heißt das „Mahnung zur Mäßigung“, auch „richtige Erkenntnis“, „Nüchternheit“. Bei Sokrates ist es „die auf richtiger Einsicht beruhende Besonnenheit, die in jeder Lage das rechte Maß zu halten weiß“. (Griechisch-deutsches Wörterbuch, bearbeitet von A.Kaegi)

Das Presbyterium geht davon aus, dass es besonnen handelt. Es will eine Kirche schließen und erwartet dafür Zustimmung und Beifall. Es wird immer wieder von Ihren Seiten her die Einheit beschworen. Wir seien alle eine große Einheit in der Apostel-Kirchengemeinde. Aber Einheit bedeutet noch keine Einigkeit. Diese Einigkeit kann nicht mit bloßen Worten eingefordert werden. Sie ist ein kostbares Gut: Einigkeit steht über formaler Einheit. Ich erkläre hier deutlich, dass ich einer erzwungenen und willkürlichen Einheit nicht zustimmen kann. Ja, gerade von mir als ehemaligem Pfarrer der Apostel-Kirchengemeinde erwarten Sie Zustimmung zu Ihrem Vorgehen. Sie wissen selber sehr genau, dass ich mich nicht als Aufrührer einer Protestgruppe vorangestellt habe. Aber als Mensch und Christ stehe ich auf Seiten derer, denen hier ihre Heimat weggenommen wird. Am 26. November habe ich nicht öffentlich gesprochen. Ich habe als Reaktion auf den von Ihnen verantworteten Artikel in den Zeitungen einen Leserbrief geschrieben, in dem lediglich das steht, was alle wissen und immer wieder gesagt wurde. Als Mensch können Sie mir nicht verbieten, meine Meinung frei und öffentlich zu äußern.

Als der erste Beschluss gefasst war, die Versöhnungskirche zu schließen, haben Sie, Schwester Krüger, in einem Gespräch mit meiner Frau und mir das Bild gebracht: Wie man ein sterbendes Kind nicht immer wieder neu zum Leben ermuntern soll, so ist es jetzt angesagt, mit tröstenden und auf das Sterben hinführenden Worten die Menschen der Versöhnungskirche zu begleiten. Dieses ist ein ergreifendes Bild. Aber trifft es zu? Muss das Kind Versöhnungskirche wirklich sterben? Ich möchte diesem Bild eines aus anderen Zusammenhängen entgegensetzen: Der Mond umkreist die Erde und stabilisiert sie mit seiner Schwerkraft in ihrer Umlaufbahn. Ohne den Mond käme es zu einer Klimakatastrophe, die alle anderen Naturkatastrophen in den Schatten stellen würde. Der Mond stabilisiert die Erdachse, sodass die Temperaturen auf der Erde trotz der Eiszeiten relativ stabil bleiben. So ist gleichsam die alte Apostelkirche unsere Erde, die zur Stabilisierung auf den Mond, die kleine Versöhnungskirche, angewiesen ist. Die Apostelkirche wird sterben, wenn sie auf die kleine Kirche mit moderner Architektur verzichtet, wo die Menschen wohnen. Von dort gehen Erneuerung und Experimentierfreudigkeit aus. ( Zum Beispiel Gottesdienste mit neuer Liturgie, Ausdruckstanz und Lieder von Peter Janssens, Pantomime Peter Paul ). Statt eine Kirche zu schließen, muss ein neues Konzept entworfen werden für die kleine und die große Kirche. Also nicht ein altes Gemeinde-Konzept durchsetzen wollen, sondern mit Phantasie und kreativen Ideen die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte kooperativ mit ihren persönlichen Gaben einsetzen - Christen suchen die Kirche der Zukunft.

Vermögenssituation der Apostel-Kirchengemeinde
Gemäß dem Beschluss des Presbyteriums vom 20. 11. 2006 sieht sich das Presbyterium gezwungen, die Arbeit am Versöhnungszentrum einzustellen, weil die Finanzmittel der Gemeinde nicht mehr ausreichen, um die dortigen Gebäude weiter zu unterhalten. Diese Argumentation entspricht nicht den tatsächlichen Verhältnissen, denn es ist eine Ermessensfrage, wie die vorhandenen Rücklagen eingesetzt werden. Sie wissen selber, wieviel Rücklagen in der Vermögensübersicht der Apostel-Kirchengemeinde aufgelistet sind. Obwohl diese Dokumentation geheimgehalten wird, wird sie eines Tages ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Es ist daher ein verhängnisvoller Fehler, immer wieder mit dem Finanzargument zu operieren, um das Versöhnungszentrum schließen zu können. Ich kann nicht hinnehmen, dass hier auf der allgemeinen Welle der Kirchenschließungen in Deutschland von einer Personengruppe eigene Interessen durchgesetzt werden.

Die Arbeit am Versöhnungszentrum wird schon jetzt weitgehend von ehrenamtlichen Kräften wahrgenommen. Wir müssen die Vision einer „Kirche mit Zukunft“ vor Ort realisieren.

Karl-Anton Hagedorn, Pfarrer der Apostel-Kirchengemeinde 1967 – 1989

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Brief- und Gesprächskultur


Wie eben erfahren erging dieses Schreiben an mehrere Adressaten, Menschen, die sich für den Erhalt der Versöhnungskirche einsetzen. Eine Ratlosigkeit greift um sich.